„Lerne deine Theorien so gründlich wie möglich –
(C. G. Jung)
aber lege sie beiseite,
wenn du einem lebendigen Menschen begegnest.„
Im Orignal auf englisch heißt es so: “Learn your theories as well as you can, but put them aside when you touch the miracle of the living soul.”
Warum mir dieses Zitat wichtig ist:
In meiner therapeutischen Arbeit verbinde ich psychodynamische Konzepte mit Erkenntnissen und Methoden unterschiedlicher psychotherapeutischer Schulen.
Dabei sind mir wissenschaftliche Fundierung, diagnostische Sorgfalt und ein nachvollziehbares therapeutisches Vorgehen wichtig. Gleichzeitig möchte ich vermeiden, Menschen vorschnell auf Diagnosen, Konfliktmuster oder theoretische Kategorien zu reduzieren.
Gerade die psychodynamische Psychotherapie lebt davon, offen für das zu bleiben, was sich in einer Beziehung entwickelt – auch für das Unerwartete, Widersprüchliche und zunächst Unverständliche.
Die therapeutische Kunst besteht für mich darin, sich als Mensch auf eine echte Begegnung mit dem Gegenüber einzulassen, ohne dabei die eigene Professionalität zu verlieren. Das bedeutet, persönlich zugewandt, authentisch und emotional ansprechbar zu sein und zugleich die notwendige professionelle Distanz, Reflexionsfähigkeit und therapeutische Verantwortung zu bewahren.
Es geht also weder darum, sich hinter einer professionellen Rolle zu verstecken, noch darum, die therapeutische Beziehung zu einer gewöhnlichen zwischenmenschlichen Begegnung werden zu lassen.
Theorien geben Orientierung. Methoden eröffnen Handlungsmöglichkeiten. Aber sie ersetzen weder menschliche Begegnung noch Empathie und die Bereitschaft, eigene Annahmen immer wieder zu hinterfragen.
Gute Psychotherapie bedeutet für mich, mit möglichst viel Wissen in die Sitzung zu gehen, dem Patienten zugleich als Mensch zu begegnen und dabei die professionelle therapeutische Haltung nicht aus den Augen zu verlieren.
„Wenn wir das hysterische Elend in gemeines Unglück verwandeln, so haben wir schon viel gewonnen.“
(Sigmund Freud)
Sigmund Freud
Was bedeutet dieses Zitat?
Dieses Zitat von Sigmund Freud klingt zunächst ernüchternd. Soll Psychotherapie nicht dazu führen, dass wir glücklich werden und unsere Probleme überwinden?
Freud verweist auf eine wichtige Erkenntnis: Nicht alle inneren Konflikte lassen sich auflösen. Manche Spannungen gehören unweigerlich zum menschlichen Leben. Psychotherapie kann jedoch dazu beitragen, dass wir nicht mehr an ihnen verzweifeln, sondern lernen, bewusster und selbstbestimmter mit ihnen umzugehen.
Es geht also nicht darum, ein Leben ohne Konflikte zu führen, sondern darum, unnötiges seelisches Leiden zu vermindern und mit den unvermeidbaren Widersprüchen des Lebens besser zurechtzukommen.
Ein Beispiel aus der psychotherapeutischen Praxis
Ein Patient erlebt immer wieder einen starken inneren Konflikt zwischen seinem Wunsch nach Freiheit und Autonomie einerseits und seinem Bedürfnis nach Bindung und Verantwortung andererseits.
Als Ehemann und Familienvater möchte er für seine Partnerin und seine Kinder da sein. Gleichzeitig spürt er ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und persönlichem Freiraum.
Immer wieder erlebt er diese beiden Seiten als unvereinbar. Entscheidet er sich für seine Familie, fühlt er sich manchmal eingeengt. Nimmt er sich Freiräume, entstehen Schuldgefühle und die Sorge, seiner Verantwortung nicht gerecht zu werden.
In der Psychotherapie geht es nicht darum, eine dieser beiden Seiten zu beseitigen. Vielmehr lernt der Patient, beide Bedürfnisse als berechtigte Teile seiner Persönlichkeit anzuerkennen.
Der Konflikt lässt sich nicht einfach auflösen. Er muss immer wieder neu reguliert und ausgehandelt werden – mit sich selbst und in der Partnerschaft.
Warum mir dieses Zitat wichtig ist
Psychotherapie bedeutet für mich nicht, Menschen von allen inneren Widersprüchen zu befreien oder ihnen ein dauerhaft glückliches Leben zu versprechen.
Sie soll vielmehr dabei helfen, die eigenen inneren Konflikte besser zu verstehen, weniger unter ihnen zu leiden und zunehmend freier mit ihnen umzugehen.
Manchmal bedeutet psychische Gesundheit gerade, zwei widersprüchliche Bedürfnisse gleichzeitig anerkennen und die daraus entstehende Spannung aushalten zu können.
Das Ziel ist nicht ein konfliktfreies Leben, sondern die Fähigkeit, mit den unvermeidbaren Widersprüchen des Lebens immer wieder einen guten Umgang zu finden.
„Man kann nicht nicht kommunizieren.“
Paul Watzlawick (1921–2007), Psychotherapeut und Kommunikationstheoretiker
Was bedeutet dieses Zitat?
Jedes menschliche Verhalten hat in einer zwischenmenschlichen Situation eine kommunikative Bedeutung. Nicht nur Worte, sondern auch Schweigen, Rückzug, Mimik und Körpersprache vermitteln Botschaften. Selbst wer nicht kommunizieren möchte, teilt seinem Gegenüber etwas mit.
Entscheidend ist oft nicht nur, was Menschen sagen, sondern auch, wie sie miteinander umgehen und welche unbewussten Botschaften sie dabei vermitteln.
Ein Beispiel aus der therapeutischen Praxis
Ein Patient berichtet, dass er Konflikten mit seiner Partnerin möglichst aus dem Weg geht. Wenn sie ihm Vorwürfe macht, zieht er sich zurück und schweigt, um einen Streit zu vermeiden. Seine Partnerin erlebt dieses Schweigen jedoch als Desinteresse und Ablehnung. Sie reagiert mit noch mehr Vorwürfen, woraufhin er sich weiter zurückzieht.
Warum ist dieser Gedanke für die Psychotherapie wichtig?
Beide tragen ungewollt dazu bei, genau das hervorzurufen, was sie eigentlich vermeiden möchten: Er möchte keinen Streit, sie möchte nicht zurückgewiesen werden. In der Psychotherapie wird dieses wechselseitige Beziehungsmuster sichtbar und verständlich gemacht. Der Patient lernt, seinen Rückzug als kommunikatives Signal zu erkennen und seine Gefühle und Bedürfnisse zunehmend offen auszudrücken. So können neue Wege der Verständigung entstehen.Welche Rolle spielt das in meiner Praxis?
„Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.“
(Heinz von Foerster (1911–2002)
Systemischer Konstruktivismus)
Was bedeutet dieses Zitat?
Wir Menschen neigen dazu, in vertrauten Denk-, Gefühls- und Verhaltensmustern zu bleiben – selbst dann, wenn sie uns nicht guttun. Manchmal haben wir das Gefühl, gar nicht anders handeln zu können. Heinz von Foerster erinnert uns daran, dass es darum geht, neue Möglichkeiten zu entdecken, statt immer wieder dieselben Wege einzuschlagen. Nicht alles muss gleich verändert werden. Manchmal reicht es schon, zu erkennen, dass es auch anders gehen könnte.
Ein Beispiel aus der therapeutischen Praxis
Ein Patient beklagt sich darüber, dass er in seiner Familie immer für alles verantwortlich ist. Gleichzeitig fällt es ihm schwer, Aufgaben abzugeben. Alle haben sich längst daran gewöhnt, dass er alles regelt. So bleibt das familiäre Gleichgewicht erhalten, obwohl alle darunter leiden.
In der Therapie kann es manchmal helfen, dieses eingespielte Muster mit einer überraschenden, humorvollen oder auch paradoxen Intervention etwas durcheinanderzubringen. Ich könnte ihm beispielsweise augenzwinkernd vorschlagen: „Vielleicht sollten Sie Ihre Familie noch besser darin trainieren, möglichst wenig selbst zu machen. Sie sind ja schließlich der Experte für alles!“
Eine solche humorvolle Übertreibung kann einen neuen Blick auf das eigene Verhalten ermöglichen. Der Patient beginnt vielleicht, seine bisherige Rolle infrage zu stellen und bewusst etwas anders zu machen. Das bringt zunächst Unruhe in das gewohnte familiäre Gleichgewicht. Die anderen müssen sich ebenfalls neu orientieren. Genau darin liegt aber die Chance: Wenn einer sein Verhalten verändert, muss sich häufig auch das ganze Beziehungssystem neu ausrichten. Und plötzlich entstehen Möglichkeiten, die vorher kaum vorstellbar waren.+
Warum mir dieser Gedanke wichtig ist
Für mich geht es in der Psychotherapie nicht darum, Menschen zu sagen, wie sie leben sollen, oder sie in eine bestimmte Richtung zu verändern. Vielmehr möchte ich mit ihnen verstehen, warum sie immer wieder in ähnliche Situationen geraten und welche inneren Konflikte oder alten Erfahrungen dabei eine Rolle spielen. Wenn es gelingt, diese Muster besser zu verstehen, entsteht oft etwas sehr Wertvolles: mehr innere Freiheit. Die Möglichkeit, nicht mehr automatisch so reagieren zu müssen wie bisher, sondern selbst entscheiden zu können, welcher Weg gerade der richtige ist.
„Es ist die Beziehung, die heilt.“
Irvin D. Yalom (1931)
Was bedeutet dieses Zitat?
Psychotherapie lebt nicht allein von guten Methoden, klugen Deutungen oder hilfreichen Übungen. Entscheidend ist auch, was zwischen zwei Menschen geschieht. Ob sich jemand verstanden, ernst genommen und angenommen fühlt, gerade auch mit seinen schwierigen, widersprüchlichen oder unangenehmen Seiten. Eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung schafft den Raum, in dem man sich mit Dingen beschäftigen kann, denen man sonst lieber ausweicht. Dabei ist die Beziehung nicht nur die Voraussetzung für therapeutische Veränderung, sondern selbst ein wichtiger Teil davon.
Ein Beispiel aus der therapeutischen Praxis
Ein Patient ist aufgrund psychischer Erschöpfung und depressiver Beschwerden seit längerer Zeit arbeitsunfähig. Er möchte endlich wieder „bei sich ankommen“, weiß aber nicht so recht, wie ihm das gelingen soll. In den Sitzungen beschäftigen wir uns immer wieder mit der Frage, wann und unter welchen Bedingungen er wieder arbeiten könnte. Wir analysieren seine inneren Konflikte, wägen Vor- und Nachteile ab und suchen nach Lösungen. Doch irgendwie kommen wir nicht wirklich weiter.
Im Rückblick zeigt sich, dass etwas ganz anderes entscheidend war: die Erfahrung, dass ich ihn als Therapeut nicht dränge, nicht antreibe und auch nicht enttäuscht von ihm bin, wenn er noch nicht so weit ist. Anders als in der Beziehung zu seinem Vater, in der er häufig Leistungsdruck und hohe Erwartungen erlebt hatte, durfte er hier einfach erst einmal sein, ohne etwas leisten oder erreichen zu müssen.
Die therapeutische Beziehung wurde zu einer Art Resonanzraum, in dem auch Stillstand, Unsicherheit und Hilflosigkeit Platz haben durften. Ich musste ihn nicht ständig in Bewegung bringen, sondern konnte ihn zunächst einmal halten und begleiten. Gerade diese neue, korrigierende Beziehungserfahrung hat offenbar mehr in Bewegung gebracht als manche unserer noch so gut gemeinten Analysen und Lösungsversuche.
Warum mir dieser Gedanke wichtig ist
Bei aller Begeisterung für psychotherapeutische Theorien, Methoden und Techniken möchte ich eines nicht aus dem Blick verlieren: In der Psychotherapie begegnen sich zunächst einmal zwei Menschen. Ich halte es für eine besondere Kunst, sich als Therapeut auch menschlich berühren zu lassen, authentisch und offen zu bleiben und gleichzeitig die notwendige professionelle Haltung und Verantwortung nicht zu verlieren. Manchmal ist ein ehrlicher Moment zwischen Patient und Therapeut hilfreicher als die ausgefeilteste Intervention. Für mich gehören deshalb fachliches Können und menschliche Begegnung untrennbar zusammen.
